NEUJAHRSKONZERTE 2026 THEATER ULM – VORBERICHTE

SÜDWEST PRESSE
Ein guter Rutsch mit Wagner
Theater Ulm Die Sopranistin Maryna Zubko ist die Mimi in „La Bohème“ und jetzt die Solistin der
Neujahrskonzerte 2026. Wie geht es weiter mit ihrer Karriere?

Vor gut sieben Jahren war sie nach Ulm gekommen, in der Saison 2018/2019. Eine ihrer ersten
Partien war die Sophie Scholl in der Kammeroper „Weiße Rose“. Im Interview erzählte Maryna
Zubko damals, wie sie in Kiew dabei gewesen war, als mit den Studentenprotesten die blutige
Revolution auf dem Platz der Unabhängigkeit gegen das Janukowitsch-Regime begann. Sie hatte
alles hautnah erlebt, schließlich liegt die Staatliche Musikakademie der Ukraine direkt am Maidan.
„Die Gedanken und Gefühle von Sophie sind mir sehr vertraut“, sagte die Sopranistin, „auch auf dem
Maidan ging es um die Wahrheit, die Gerechtigkeit, die Freiheit.“ Die Rolle vergegenwärtige ihr sehr
emotional die traumatischen Ereignisse.

Dann folgten noch ganz andere Albträume: Putins Russland überfel 2022 mörderisch die Ukraine,
Maryna Zubko bangte um Familie und Freunde, um ihre Eltern, die in Schostka im Nordosten des
Landes, nahe der russischen Grenze, lebten. Die Stadt war von russischen Streitkräften umringt, lag
unter Artilleriebeschuss.

Mittlerweile sind ihre Eltern evakuiert, nach Deutschland gezogen. Auch ihr Bruder lebt hier, arbeitet
als Tierarzt in Vechta. Das erzählt Maryna Zubko dankbar und erleichtert beim Gespräch im Theater
Ulm, am Tag nach der Premiere von „La Bohème“, in der sie, umjubelt, die Mimi gesungen hat. Müde
sei sie, gesteht die Sängerin, die ganze Nacht habe sie nicht schlafen können: zu aufgewühlt, zu
euphorisch. Man kann das verstehen. „Diese wunderbare Musik Puccinis!“, schwärmt sie. Und diese
Produktion mit Regisseur Rolf Widder sei ein großes Geschenk, Kwonsoo Jeon, der Rodolfo, ein
„Traumpartner“.

Die Mimi in „La Bohème“? Es hat sich in den vergangenen Jahren bei Maryna Zubko auch
künstlerisch eine ganze Menge ereignet: Als dramatische Koloratursopranistin hatte sie im Ulmer
Ensemble angefangen, die Lucia di Lammermoor etwa sang sie herausragend auf der Bühne. Aber
jetzt erobert sie sich das lyrische Fach. Die Initialzündung war die Offenbach-Oper „Hoffmanns
Erzählungen“, als sie alle vier Frauenrollen übernahm und nicht nur als Koloraturen-Automat
Olympia in höchster Höhe, sondern auch als schwermütige Antonia beeindruckte. Die Erkenntnis:
Ihre Stimme hat in der mittleren Lage großes Potenzial.

Maryna Zubko ist eine ehrgeizige, zielstrebige Künstlerin, die sich auf keinen Meriten ausruht, die
ihre Karriere plant, nach wie vor Unterricht nimmt. Die russische Sopranistin Elena Pankratova, die
schon bei den Bayreuther Festspielen die Ortrud und die Kundry gesungen hat, ist ihr Coach: „Traue
dich ins lyrische Fach, das ist eine gesunde Entwicklung deiner Stimme“, sei deren Ratschlag
gewesen. „Ich habe mit viel Selbstvertrauen die technischen Herausforderungen umgesetzt. Die
Desdemona in Verdis ,Otello‘ war dann der Prüfstein. Schaffe ich das oder schaffe ich es nicht? Es
kam mir vor wie ein Lotteriespiel. Aber ich habe meinem Körper vertraut.“ Und sie hat gewonnen.
Und jetzt freut sich Maryna Zubko ungemein auf die Partie der Eva in den „Meistersingern von
Nürnberg“, der Abschiedsinszenierung des Intendanten Kay Metzger, die Anfang Juni 2026
Premiere feiert. „Die Eva war immer eine Traumpartie für mich, und sie liegt meiner Stimme perfekt,
als ob Wagner sie für mich komponiert hätte.“

Schon bei den Neujahrskonzerten 2026 im Theater Ulm ist Maryna Zubko mit Wagner zu erleben:
mit der „Hallenarie“ der Elisabeth aus dem „Tannhäuser“. Nach der zweiten Vorstellung der
„Bohème“ ist sie extra nach Barcelona geflogen, um mit Elena Pankratova, die dort am Gran Teatro
del Liceu als Isolde debütiert, diese Arie („Dich, teure Halle, grüß ich wieder“) einzustudieren.
Typisch, Maryna Zubko ist eine Perfektionistin. So besuchte die Ukrainerin im Sommer einen
Sprachkurs in Siena, um sich auf die Mimi in Puccinis Oper vorzubereiten, ihre Italienischkenntnisse
zu verbessern. Und nebenbei habe sie sich in Florenz für teures Geld in einem Laden der Haute
Couture einen Stoff gekauft für ein Kleid, in dem sie beim Neujahrskonzert auftrete.
Zum zweiten Mal ist sie Solistin bei den Neujahrskonzeren des Theaters Ulm. Und auch beim
Theaterball am 14. Februar 2026 wird sie singen: die Sophie in einer Szene aus dem
„Rosenkavalier“. Wagner, Strauss – das ist die neue Maryna Zubko.

Sie ist sehr glücklich über ihre Zeit in Ulm: „Ich habe sehr viel Kraft investiert, Kay Metzger hat mir
vertraut, mir große Aufgaben und Partien zugetraut, und ich habe die Chancen genutzt.“ Nach dieser
Spielzeit aber verlässt sie das Haus, für die nächste Etappe ihrer Karriere. Sie zieht dann nach
Frankfurt am Main, wo ihr Mann als Manager der Frankfurter Sinfoniker arbeitet. Ein festes
Engagement hat sie noch nicht im Blick, sie möchte frei arbeiten. Alles andere werde sich geben.
Denn zu hundert Prozent widme sie sich immer der aktuellen Aufgabe: An Neujahr ist Wagner dran
im Theater Ulm, aber auch die leichte Muse.

 

AUGSBURGER ALLGEMEINE
Das Ulmer Neujahrskonzert ist dieses Jahr ein Abschied
Das Neujahrkonzert 2026 rückt noch einmal die Sopranistin Maryna Zubko in den
Mittelpunkt, die zum Ende der Spielzeit das Theater Ulm verlassen wird. Nach den
Neujahrskonzerten wird das Publikum nur noch in Richard Wagners „Die Meistersinger von
Nürnberg“ ab Juni Gelegenheit haben, sie auf der Ulmer Bühne zu erleben. Fürs
Neujahrskonzert hat sich Maryna Zubko den ganz großen Aufritt überlegt.

Ein Abendkleid, ein Unikat, geschneidert aus Seide aus Florenz in einem Violettton mit Gold,
ist gerade fertig geworden und soll unterstreichen, was dieses Neujahrskonzert für die in der
Ukraine geborene Sopranistin mit deutscher Staatsbürgerschaf bedeutet. Sie betont ihre
Dankbarkeit dem Theater Ulm gegenüber, wo sie acht Jahre lang auf der Bühne stand und in
großen Rollen der Oper wie als Anna Bolena, Lucia di Lammermoor, als Maria Stuarda oder
als Gilda und Desdemona besetzt war.

Nach dieser Spielzeit wird sie als freischaffende Künstlerin arbeiten und ihren
Hauptwohnsitz bei ihrem Ehemann im Frankfurter Raum haben. Auf die Frage, wie of sie
auf der Ulmer Bühne in den verschiedenen Rollen junger Frauen das Sterben singen und
spielen musste – und das immer mit großer Intensität, so sehr sogar, dass sie in der Phase des
gespielten Todes der Anna Bolena auf dem Schafott Phantomschmerzen im Nacken bekam –
muss die Sopranistin rechnen: Mehr als 320 Mal dürfe es bislang gewesen sein, dass sie auf
der Ulmer Bühne sterben musste – Puccinis „La Bohème“, wo sie die sterbende Mimi singt,
hatte erst kurz vor Weihnachten Premiere und läuf noch bis 8. Februar.

Es ist die große Bandbreite, die Maryna Zubko in Ulm mit viel Emotion zeigte, die in diesem
Neujahrskonzert noch einmal zum Tragen kommt: Auf Wagner anspielen wird „Dich, teure
Halle grüß ich wieder“ aus „Thannhäuser“, aber daneben unter anderem auch die
„Juwelenarie“ der jungen Margarethe aus Gounods „Faust“. Im zweiten Teil wird es – von
Franz Léhars „Liebe, du Himmel auf Erden“ bis zum „Phantom der Oper“ um die Liebe
gehen, zumeist in der leichteren Muse. Was sie dazu tragen wird, verrät Maryna Zubko noch
nicht. Das Orchester wird es musikalisch ähnlich halten – mit ebenso großer Bandbreite:
unter anderem mit Verdi und Puccini wird das Publikum im ersten Teil unterhalten werden,
aber auch – wie es zu einem Neujahrskonzert gehört – mit Johann Strauss.

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